Lebhafter als in diesem Jahr verlief die Diskussion beim Mediengipfel der ANGA COM wohl selten. Das lag vor allem an Funke-Verlegerin Julia Becker, die in alle Richtungen austeilte. Einig waren sich alle, dass viel auf dem Spiel steht – allen voran die Demokratie. […]
Gleichwohl wehrte sie sich gegen die Darstellung einer „sterbenden Verlagsbranche“, schließlich habe ihr Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren journalistische und verlegerische Verantwortung übernommen. So habe man in diesem Zeitraum über eine Milliarde Euro in deutsche Medienmarken investiert, die eben nicht rein printlastig seien. „Wir tun das aus großer Überzeugung, um die Medienlandschaft zu erhalten“, sagte Becker und verwies auf den jüngsten Gruner-Deal mit Marken wie ‚Brigitte‘ und ‚Gala‘, durch den RTL-Deutschland-CEO Stephan Schmitter „seinen Sky-Deal in kleinen Teilen schon finanziert hat“, wie sie sagte.
Becker appelliert appellierte zugleich an andere Verleger, sich „am Riemen zu reißen“ und technische Kooperationen zu suchen, anstatt zu jammern. Sie forderte Medienunternehmen aber auch dazu auf, Gewinne zu reinvestieren anstatt Dividenden auszuschütten. So habe es bei Funke „seit der Gesellschafterbereinigung keine Dividenden, keine Auszahlung, keine Ausschüttung mehr“ gegeben, sagte Becker und betonte mit Blick auf eine zunehmende Vertrauenskrise in Deutschland: „Denkt mal darüber nach, ob jetzt noch die Zeit ist, sich jährlich eine große Summe erstmal aufs Privatkonto zu überweisen.“
Alexander Krei, dwdl.de, 19.05.2026 (online)

