Unsere Berichtsobjekte sind Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kultur. Und hier schleicht sich – da nehme ich kein Medienhaus aus – immer mehr so ein despektierlicher Ton ein. Nach dem Motto: Eigentlich wissen wir Journalisten es besser als die Politiker oder die wirtschaftlichen Akteure. Ganz flau wird es mir, wenn es um demokratische Prozesse geht. Demokratischer Rechtsstaat ist anstrengend. Aber genau hier darf es sich der Journalismus nicht zu leicht machen und lässig sagen: Die streiten ja nur. Nein, die ringen um die beste Lösung. Aber Begriffe wie Debatte, Diskurs, Dialog, Diskussion scheinen auf dem Index zu stehen, sie kommen fast gar nicht mehr vor, wir reden nur noch über Streit. Dabei müsste die Diskussion dahin gehen, zu fragen: Wie können wir Demokratie sichern, indem wir sie effizienter machen und uns nicht dazu hinreißen lassen, despektierlich über demokratische Prozesse zu berichten?
Kai Gniffke, newsroom.de, 18.05.2026 (online)

