Um in den sozialen Netzwerken überhaupt eine Chance zu haben, müssen sich Journalistinnen den Regeln der Influencer beugen: Sie müssen ihre Person in den Vordergrund stellen, sich in Szene setzen, ihren Followern Fragen stellen und sich zumindest gelegentlich für Reklame hergeben. Salomé Saqué, Autorin eines Handbuchs zum Widerstand gegen die extreme Rechte mit einer Auflage von mehr als 200 000 Exemplaren („Résister“, Payot, Paris 2024) und Journalistin bei dem unabhängigen Medium Blast, kann hat eine Community von 456 000 Instagram-Followern aufgebaut.
Dafür setzt die Journalistin voll auf Selbstdarstellung: Ihre Follower erfahren eine Menge über ihre Vorliebe für Wanderungen, ihre Lieblingsfilme und ihren Sonntagsbrunch mit Freundinnen. Im Mai konnte man online verfolgen, wie sie ihren Geburtstag mit mehreren prominenten Influencer:innen feierte, die diese Bilder dann ebenfalls posteten.
„Als Journalistin versucht man sich so gut wie möglich den Plattformen anzupassen, damit unsere Arbeit weiterhin sichtbar bleibt“, erklärt sie. „Aber das ist keine langfristige Lösung. Das eigentliche Problem ist, dass wir von Algorithmen abhängig sind, die von amerikanischen Milliardären geschaffen wurden, die inzwischen zum größten Teil der extremen Rechten angehören.“
Benoît Breville, Le Monde diplomatique, 12.06.2025 (online)

