In vielen Häusern scheint die Ansicht zu herrschen, dass die demokratische Verantwortung des Journalismus darin besteht, im Falle von Großereignissen wie einer Landtagswahl ein paar Wochen lang mediales Streetworking zu betreiben. Wenn man den Leuten in Dauerbeschallung auf allen Kanälen mal fix erklärt, warum die Demokratie ‘ne super Sache und Nazis echt doof sind, werden die schon noch zur Vernunft kommen und sich dieser Staatsform und dem Journalismus, der sie stützt, wieder zuwenden.
Aus dieser Haltung, die auch bei anderen Themen und anderen Gruppen zu beobachten ist, spricht Faulheit im Denken und Arbeiten und fatale Diskrepanz in der Ressourcenverteilung.
Denn wer auf einer Meta-Ebene argumentiert, warum Demokratie wichtig und Journalismus ihr unverzichtbarer Teil ist, versucht bei der Demokratierettung eine Abkürzung zu nehmen. Journalismus stützt die Demokratie, indem er die Arbeit von Staat und Institutionen kontrolliert. Indem er sicherstellt, dass die Menschen sich darauf verlassen können, dass Missstände aufgedeckt werden.
Indem er Tag für Tag, Jahr für Jahr das demokratische Geschehen und das gesellschaftliche Leben in Ländern und Kommunen – auch in Ostdeutschland – begleitet. Und nicht, indem man Menschen nur oft genug mit der Deklaration beehrt, dass man Vertrauen in den Staat und den Journalismus haben sollte.
Doch für diese Arbeit braucht man Ressourcen. Die gibt es im Lokaljournalismus selten, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer weniger und bei überregionalen Medien oft schlicht nicht für Ostdeutschland. Und so entsteht der oft berechtigte Eindruck, dass viel über, aber wenig mit Ostdeutschland gesprochen wird. Und diesen Eindruck können dann auch panische Interaktionsformate des aufsuchenden Journalismus‘ in den Wochen vor einer Wahl kaum mehr auffangen.
Jana Ballweber, turi2.de, 03.09.2026 (online)

