Zitiert: Internetsperren heizen Gewalt erst richtig an

In Iran verwehrt das Regime derzeit den Zugang zum Word Wide Web, andere Regierungen tun es ihm gleich. Aber nutzt ihnen das überhaupt? Fragen an Anita Gohdes, Professorin für Cybersicherheit. […]

Etwa 80-mal haben Staaten allein 2025 das Netz teilweise oder ganz blockiert, zusätzlich zu 47 bereits bestehenden Restriktionen, meldete der Internetdienstleister Surfshark. In zwei Drittel der Fälle passierte das im Kontext von Wahlen und politischen Unruhen. […]

Meistens rechtfertigen autoritäre Regime Internetsperren damit, dass sie Gewalt unterbinden wollen. Aber wir beobachten eher das Gegenteil. Internetsperren heizen Gewalt erst richtig an, weil sich Regime in dieser digitalen Dunkelheit ungehemmter fühlen. […]

Wir haben eine wachsende Anzahl an Ländern mit einem autokratischen Kern, die nach außen aber weiterhin wie eine Demokratie wirken wollen. Und diese demokratische Schale ist ganz, ganz stark von Wahlen abhängig. Mit dem Internet kann jeder Beweise für Ungereimtheiten bei Wahlen sammeln. Für autoritäre Regime ergeben Internetsperren dann in den Tagen und Wochen vor und nach der Wahl Sinn, um die Beweise möglichst einzudämmen. […]

Die EU blockiert seit dem Überfall auf die Ukraine Russia Today und Sputnik auf verschiedenen Social-Media-Seiten. […]

Der Trend in demokratischen Ländern geht gerade zu Kollaborationen zwischen Regierungen und großen Techunternehmen. Dann treten Regierungen an X, Meta oder Tiktok heran, um bestimmte Accounts zu sperren. Das ist ein deutlich differenzierterer Umgang mit Sperren.

Anita Gohdes, sueddeutsche.de, 25.03.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)