Ich sehe vor allem drei große Veränderungen. Die erste betrifft die Beziehung zwischen Werk und Publikum. Jahrzehntelang lag unser Fokus darauf, hochentwickelte Instrumente für die Filmproduktion zu schaffen. Das bleibt essenziell. Aber heute reicht es nicht mehr, nur auf die Produktion zu schauen. Immer wichtiger wird die Frage: Erreicht ein Film sein Publikum überhaupt noch – und bekommt er in der heutigen Reizflut genügend Aufmerksamkeit, um echte Wirkung zu entfalten?
Die zweite Veränderung betrifft Plattformen und zunehmend auch künstliche Intelligenz. Bereits heute steuern Empfehlungssysteme in erheblichem Umfang, welche Werke sichtbar werden. KI-Assistenten könnten diesen Effekt noch einmal deutlich verstärken. Dann kuratiert möglicherweise nicht mehr nur die Plattform, sondern eine vorgeschaltete technologische Ebene, was der Nutzer oder die Nutzerin überhaupt noch zu sehen bekommt. Damit gewinnt die Frage, wer den Zugang zum Publikum kontrolliert, erheblich an Bedeutung.
Und die dritte Veränderung betrifft das Spannungsfeld zwischen globaler Reichweite und lokaler kultureller Eigenständigkeit. Globale Plattformen bieten lokalen Geschichten eine enorme internationale Reichweite. Das ist eine große Chance, darf aber nicht zu kultureller Vereinheitlichung führen. Diese Entwicklung sollte zugleich lokale Talente, regionale Produktionsstrukturen und kulturelle Vielfalt nachhaltig stärken und nicht dazu führen, dass am Ende überall dieselben Geschichten nach denselben Mustern entstehen.
Peter Dinges, spot-mediafilm.com, 10.09.2026 (online)

