Zitiert: Größter deutscher Filmproduzent und französisches Medienunternehmen fusionieren

Am 28. April ließ eine Pressemeldung die Filmbranche aufhorchen: Der französische Film- und TV-Produzent Mediawan übernimmt die Produktionsfirma Leonine, eines der führenden unabhängigen Medienunternehmen Deutschlands und ein Hoffnungsträger der deutschen Filmwirtschaft. Die Leonine Holding GmbH, die ihren Sitz in München hat, wurde erst 2019 gegründet. Mit seinen drei Geschäftsbereichen Leonine Production, Leonine Distribution und Leonine Licensing deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette des Bewegtbild-Marktes ab. […]

Es existieren mehr als 70 Produktionslabels in Frankreich, Deutschland, England, Italien, Spanien, USA, Niederlande, Finnland und Senegal. Dazu gehören der Vertrieb von audiovisuellen Inhalten, die Verbreitung von Kanälen und digitalen Diensten sowie die Entwicklung und Produktion von digitalen Inhalten. Seit 2020 war Mediawan mit 25 Prozent an Leonine beteiligt. Hauptgesellschafter beider Unternehmen ist die Fondsgesellschaft KKR, das Unternehmen gehört weltweit zu den größten Beteiligungsfirmen. Gegenwärtig soll ein Vermögen von fast 430 Milliarden Dollar verwaltet werden. KKR ist an mehr als hundert Firmen beteiligt, die zusammen 750.000 Mitarbeiter beschäftigen. […]

Innerhalb von fünf Jahren hat sich – gemessen am Umsatz – Leonine mit 390 Millionen Euro auf Platz eins der deutschen Film- und TV-Produzenten katapultiert. Platz zwei nimmt die Constantin Film mit 350 Millionen Euro ein. Drittgrößtes deutsches Produktionsunternehmen ist die NDR-Tochter Studio Hamburg mit 330 Millionen Euro. Auf Platz vier folgt die öffentlich-rechtliche Tochter Bavaria Film mit 305 Millionen Euro. Auf Platz fünf liegt die RTL-Tochter UFA mit geschätzten 290 Millionen Euro, Platz sechs belegt Beta Film mit 206 Millionen Euro. […]

Die deutsche Filmproduktionsbranche besteht aus einer Vielzahl von überwiegend kleinen, unabhängigen Produktionsfirmen und weist eine geringe Marktkonzentration auf. Viele Unternehmen konzentrieren sich auf Unterhaltungsproduktionen, da diese auf dem Markt am stärksten nachgefragt werden. Die Anzahl der Unternehmen schwankt stark. Waren es nach der Produzentenstudie von 2018 etwa 900, gab es nach einer Studie des Beratungsunternehmens Goldmedia 2020 noch insgesamt 736 aktive Film- und Fernsehproduktionsfirmen in Deutschland. […]

Die Produktion von Kinofilmen sei 2023 um die Hälfte, die der TV-Filme um knapp die Hälfte zurückgegangen. Dagegen seien die Produktionskosten um 18 Prozent gestiegen, die nur zu 50 Prozent von den TV-Sendern übernommen würden. Deshalb hoffen die Produzenten auf die Reform der deutschen Filmförderung bis Ende des Jahres, die vor allem den Produktionsfirmen durch ein Steueranreizmodell und Investitionsverpflichtungen von Streamingplattformen höhere Budgets sichern soll. Doch ob es bis zum Januar 2025 zu den entsprechenden Gesetzen, die die Produktionsfinanzierung auf eine neue Basis stellen sollen, kommen wird, ist nicht sicher.

Zudem müssen sich die deutschen Produktionsfirmen darauf einstellen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk wie auch die privaten Sender ab 2025 weniger Content in Auftrag geben werden. Die Anstalten müssen den Rundfunkbeitrag sparsamer einsetzen, und die Werbeumsätze von RTL, ProSiebenSat.1 und Co. werden kaum steigen, die Kosten gehen allerding weiter in die Höhe. Kein Wunder, dass die deutschen Produzenten ein Krisenjahr mit Stellenabbau und Pleiten erwarten.

Helmut Hartung, politikkultur.de, 03.06.2024 (online)

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