So sehr es eine (historische) Errungenschaft darstellt, dass Gegendarstellungen etwa zu falschen Berichten über Adels-Hochzeiten sogar auf Titelseiten gedruckter Illustrierter erscheinen können müssen, so egal ist es inzwischen, da gedruckte Titelseiten vielen Menschen gar nicht mehr begegnen. Die Musik spielt anderswo. An die Plattformen, deren Algorithmen polarisierende Zuspitzung belohnen, Differenziertheit bestrafen und die Aufmerksamkeit triggern, kommen deutsche Medienwächter und Gerichte nicht heran. Bzw. kämen sie es allenfalls dann, wenn sie sich bis zum EuGH durchgeklagt haben, wofür noch Präzedenzfälle fehlen. Entscheidungen fallen in den USA.
Christian Bartels, MDR Altpapier, 21.04.2026 (online)

