Dass Spiele in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer unterschätzt werden, liegt auch an mangelnder Sichtbarkeit in klassischen Medien und Kulturinstitutionen. Wenn Museen, Feuilletons und Kulturhäuser Games als Kulturgut begreifen würden, wäre das ein entscheidender Schritt, um dieses Medium endlich als das zu sehen, was es ist: ein wichtiger Teil unserer Gegenwartskultur. Die Tatsache, dass wir dieses Gespräch führen, ist sozusagen Symptom des Problems und Teil der Lösung zugleich. […]
Dabei gibt es wohl kein Medium, das so breit und komplex ist wie das Videospiel. Es reicht von simplen Reiz-Reaktions-Klassikern wie „Tetris“ oder „Pong“ über Handyspiele mit ausbeuterischen Monetarisierungsstrategien bis hin zu multimedialen Erlebnissen, die versuchen, uns das Leben eines syrischen Flüchtlings nachempfinden zu lassen. Und all das wird mit dem gleichen Wort beschrieben: Spiel. Vielleicht haben wir also ein Begrifflichkeitsproblem, das dafür sorgt, dass diese enorme Vielfalt oft übersehen wird – anstatt zu zeigen, wie groß und facettenreich dieses Medium geworden ist.
Johanna Pirker, sueddeutsche.de, 18.12.2025 (online)

