Auch die Programmreformen des Deutschlandfunks werden die Arbeit von Wissenschaftsjournalist:innen voraussichtlich erschweren insbesondere die unserer freien Kolleginnen und Kollegen. Es freut uns zwar sehr, dass die Sendeplätze für Wissenschaftsthemen in Summe der Sendeminuten erhalten bleiben. Dennoch fürchten wir, dass die verstärkte Wiederholung von Podcasts aus den digitalen Kanälen im linearen Programm bisherige Plätze für aufwendige Recherchen verdrängt.
Dass wissenschaftliche Themen stärker in den reichweitenstärkeren Informationssendungen am Morgen, Mittag und Abend stattfinden sollen, ist prinzipiell ebenfalls ein guter Gedanke. Das angedachte „Pitch“-Modell macht die Platzierung von relevanten Wissenschaftsthemen jedoch von wechselnden Mehrheiten in der Pitch-Jury abhängig und scheint uns hochgradig anfällig für Zufälle.
Vor allem wird die Rolle der freien Mitarbeiter:innen, auf deren Fachwissen die Programmqualität des Deutschlandfunks basiert, weiter geschwächt. Wenn es weniger Plätze für Kurzbeiträge geben soll, torpediert dies das Modell der Fachautor:innen: Formate wie Konferenz- oder Veranstaltungsberichte haben es Freien bislang ermöglicht, an Themen dranzubleiben, tiefer zu recherchieren und längere Beiträge mit inhaltlicher Tiefe zu erstellen. Die Programmdirektion hat versprochen, dass ihr dieses Problem bewusst sei und sie an einer „anderen Form der Honorierung“ arbeite, damit Freie auch in Zukunft ihre Arbeit finanzieren können. Wie soll dieses neue Modell der Honorierung aussehen?
Nicola Kuhrt, Korinna Hennig, Carolin Riethmüller, Dr. Rainer Kurlemann, Dr. Astrid Viciano (Vorstand der WPK) online

