Zitiert: Filmschaffende nehmen Kulturkampf gegen die AfD auf

In Köln fand eine Krisentagung der Film- und Fernsehbranche statt. Eine Frage lautete: Können Bewegtbildinhalte der bedrohten Demokratie zu Hilfe kommen? Einige antworteten kämpferisch, andere eher ernüchtert. […]

Ein großer Kölner Kinosaal war bis zur letzten Reihe gefüllt. Sven Lehmann (Grüne), Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, sprach in seinem Impulsvortrag von einer „Zäsur“, die die Politik in Deutschland und die Zivilgesellschaft verändern werde. [..]

Es gehe letztlich um die Frage, „welche Stimmen Gehör finden“. Unter Druck stehe auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk; für viele der Produzenten der wichtigste Abnehmer ihrer Inhalte. Für Kreative werde es in Deutschland immer schwerer. […]

Wie aber erzählt und stärkt man nun Demokratie in Film, Dokumentation und Serie? Niemals belehrend, darauf konnten sich so gut wie alle Vortragenden und Diskutanten einigen. Nötig sei es, Filme mit Haltung zu machen, die aber – darauf hob insbesondere die in Israel geborene, in Deutschland lebende Regisseurin Ester Amrami ab – offen für Widersprüche und Komplexität sein müssten. Ihr sei sogar „ein Film mit der falschen Botschaft“ lieber als ein zu didaktischer. Es gehe ja gerade darum, auch Menschen zu zeigen und zu verstehen, die nicht so dächten wie man selbst. […]

Man verliere die erzählerische Freiheit, weil in Sendern und Redaktionen alles ängstlich infrage gestellt werde. Für einen normalen Namen wie „Osama“ etwa musste er kämpfen. Selbst eine Zigarette, die einer seiner Charaktere rauchen sollte, wurde zum Problem. „Kontrolle“ sei „ein ganz großes Element“ geworden („es fängt schon beim Gendern an“). Und das mit Folgen: „Du hast schon Blockaden beim Schreiben.“ Für den Regisseur und Produzenten Volker Heise ist das Problem noch viel größer: Gewollt seien etwa im Dokumentarfach, in dem er unterwegs ist, nur noch Filme über Prominente oder starke Marken, die ihr Publikum quasi gleich mitbringen. Ein experimentelles Format wie „24h Berlin“ oder „Berlin 1933“ sei heute kaum noch durchsetzbar. Das Zuschneiden auf Zielgruppen mache jedoch kaputt, was den Dokumentarfilm im Kern auszeichne: seine Autonomie, die zu Unvorhergesehenem führe. […]

Wenn die Demokratie angegriffen wird, gilt es zu kämpfen. In diesem Fall um die Narrative.

Oliver Jungen, faz.net, 16.09.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)