Zitiert: Filme und Serien werden immer dümmer

Und zwar absichtlich, das sagen Kreative, die mit Netflix und den anderen Streamern arbeiten. Erkundungen in einer Branche, die verzweifelt um die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer kämpft. […]

Der Algorithmenfilm ist letztlich das Ergebnis einer bestimmten Kultur – für die das Streaming lediglich die optimalen Bedingungen bietet, während es die Bedingungen für anderes Arbeiten zerstört. Die Kreative werden in ihr als austauschbare Erfüllungsgehilfen von vordefiniertem Erzählwerk gesehen, Drehbuchschreiber nicht als Autoren im starken Sinn, Regisseure nicht als Herren der Werke.

Originelle Ideen zählen in ihr wenig, weil sie nicht bezifferbar sind, Franchise-Markenwerte hingegen schon. Es ist die Welt der Showrunner. Es ist die Welt eines neuen künstlerischen Prekariats, das in Los Angeles entstanden ist. Ein wenig so wie zur sogenannten goldenen Zeit Hollywoods.

Keiner hat wirklich die kreative Kontrolle. Der Algorithmus regiert, auch wenn er nur als Ideal in den Köpfen wohnt, einstweilen unerreicht. „Niemand in der gesamten Filmindustrie weiß mit Sicherheit, was funktionieren wird“, schrieb der berühmte Drehbuchautor William Goldman 1983. Nobody knows anything. Aber die Feldversuche, ob sich die Formel des Erfolgs mit ganz viel Geld und Daten doch knacken lässt, gehen weiter. Womöglich ist all das symptomatisch für eine Zeit des Umbruchs.

Thierry Frémaux, der Leiter des Filmfestivals von Cannes, fragte 2021 bei einer Pressekonferenz die anwesenden Journalisten, welche Regisseure denn durch Streamer entdeckt worden seien. Das sei keine rhetorische Frage. „Nennen Sie mir einen Namen.“

Philipp Bovermann, sueddeutsche.de, 06.02.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)