Zitiert: Fehlende europäische Perspektiven im europäischen Fernsehen

Es gibt ja auch keine echte innereuropäische Berichterstattung. Wer weiß aus deutschen Schaufenstermedien, was in Rumänien geschieht, in Griechenland, Bulgarien, Portugal; wie dort gedacht und diskutiert wird? Welche polnischen Perspektiven es auf deutsche Verteidigungspolitik gibt? Welche irischen auf die Digitalpolitik der EU? Nicht nur afrikanische, auch europäische Mediennutzerinnen und -nutzer können sich besser über Washington informieren als über ihre Nachbarländer. […]

Wenn es aber stimmt, was der „Spiegel“ meint: dass Europas Problem sei, dass es „selbst der Erzählung von seinem Niedergang glaubt“, dann führt das auch zur Frage, wo der Glaube an Europa herkommen sollte, wenn es keine europäische Öffentlichkeit gibt. Die integrierende Funktion eines gemeinsamen gesellschaftlichen Diskursraums kommt derzeit kaum zur Sprache. Anders gesagt, man könnte in Europa mal anfangen, sich für Europa zu interessieren, statt die Vorstellung von der Welt als Raum der Großmächte zu übernehmen.

Es gibt Versuche wie die von Arte oder 3sat, in den EU-Raum auszugreifen, ob mit „Kulturzeit“, „ZIB2“ oder „Tracks East“, und das „Europamagazin“ der ARD kann man natürlich auch nennen. Aber schon die prominenten Talks der Öffentlich-Rechtlichen laden kaum einmal einen Gast ein, der übersetzt werden müsste.

Klaus Raab, MDR Altpapier, 26.1.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)