Zitiert: Die Schwierigkeit, nicht zu framen

Wer beklagt, etwas sei geframed, der beklagt wenigstens implizit, dass es sich um eine Form von Manipulation handelt. Wer framed, so hat sich das mindestens unterbewusst im Denken festgesetzt, der verfolgt eine Agenda. Selbst Fakten verlieren so den Anspruch auf Wahrheit. Dass es Treffen mit Martin Sellner gab, öffentlich und im Social Web dokumentiert, obwohl er, ebenfalls ganz offiziell, auf einer Unvereinbarkeitsliste steht, wird so plötzlich zu etwas, das erst durch geschickte sprachliche Deutung zum Problem gemacht wird. Dabei ist es schlicht eine Tatsache.

Wie schwer es ist, überhaupt nicht zu framen, zeigt indes das Wort Zitrone. Liest oder hört man es, feuert das Gehirn sofort Assoziationen ab: gelb, ziemlich sicher. Vermutlich auch sauer. Bei einigen Menschen, das haben Studien ergeben, wird sogar der Speichelfluss angeregt. So mächtig ist Sprache.

Jakob Biazza, sueddeutsche.de, 06.07.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)