Wie kann es sein, dass aus der westdeutschen Elite heraus eine solche Partei entstanden ist, die sich aus einer bürgerlich-konservativen Alternative zur CDU/CSU derart radikalisiert hat? Im Osten wäre niemand auf diese Idee gekommen. 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg haben Westdeutsche eine Partei gegründet, die sie nicht im Griff haben und die inzwischen die Politik bestimmt, selbst wenn sie nicht mitregiert. Es ist in den Länderparlamenten durch die AfD viel schwieriger geworden, Koalitionen zu bilden. Die AfD bekommt zwar im Osten mehr Prozente als im Westen – aber das Phänomen ist in Pforzheim oder Gelsenkirchen ja kein grundsätzlich anderes. Die AfD ist eine Andockstation, um Protest loszuwerden. Aber auch, um deutlich zu machen, dass es eine andere Vorstellung von der Zukunft Deutschlands gibt. Rheinland-Pfalz ist in Sachen AfD nach der jüngsten Landtagswahl auf dem Stand Sachsen-Anhalts bei der Wahl im Jahr 2021.
Reiner Haseloff, sueddeutsche.de, 01.04.2026 (online)

