Ihr kommt für den Einbezug der Gesellschaftsmitglieder in die Gesellschaft und ihre demokratische Teilhabe und Teilnahme eine besondere Bedeutung zu: Hier werden politische Entscheidungen erfahrbar, hier findet ein direkter politischer Austausch statt, hier erfolgt die Sozialisation in die Gesellschaft. Viele politische Maßnahmen müssen lokal umgesetzt werden, erfordern Wissen und Mitwirkung der Menschen vor Ort: Integration, Klimawandel, Umweltschutz. Das kann nur auf der Basis von gemeinschaftlichen Vorstellungen, einem gemeinsam getragenen common ground, geschehen, und der setzt gleiche und gleich zugängliche Informations- und Wissensbestände voraus.
Dazu tragen nun unter digitalen Bedingungen diverse Akteure bei, nicht mehr allein der Journalismus. Ihm aber kommt für die Gestaltung der gemeinsamen Agenda, für die Bewertung und kritische Analyse von geplanten wie realisierten Projekten und Maßnahmen eine wichtige intermediäre Rolle als unabhängige, als eine macht- und entscheidungskritische Instanz zu. Diese Leistung gilt es zu erhalten. Sie wird neu aber nur wirksam im größeren Konzert der vielen eigenständig kommunizierenden Akteure im lokalen Raum. Wissen bereitstellen, Zusammenhänge aufzeigen, Debatten anstoßen, Dialoge initiieren, Prozesse begleiten oder Moderationen übernehmen sind neue Aufgaben für den Journalismus. Er muss sich verändern.
Viele Akteure kommunizieren, stellen Teilöffentlichkeiten her. Es ist notwendig, diese Vielfalt auf einer lokalen und von allen Akteuren gemeinsam geteilten, öffentlich zugänglichen Plattform bereitzustellen: Angebote aus der Zivilgesellschaft, von Vereinen oder Parteien, sozialen, kirchlichen wie karitativen Organisationen, der Kommune – und des Lokaljournalismus. Für alle Angebote sollten allgemeine Gemeinschaftsstandards gelten, aber sonst können die Anbieter ihre jeweiligen Zielsetzungen verfolgen.
Otfried Jarren, epd medien, 09.06.2026 (online)

