Nach der Affäre um Ex-ORF-Chef Weißmann drängt Medienminister Andreas Babler auf Reformen. Es geht um die Aufsichtsgremien, hohe Pensionszusagen und die Frage, wie man Machtmissbrauch verhindert. […]
Inmitten dieser Gemengelage soll eine Frau nun reinen Tisch machen: Ingrid Thurnher, bis Jahresende als Generaldirektorin bestellt, will Transparenz herstellen, ohne öffentliche Tribunale zu veranstalten. Informiert werde erst, wenn belastbare Ergebnisse vorliegen. Parallel dazu hat sie einen Transparenzbeirat eingerichtet. Dessen Vorsitzende, die Rechtsanwältin Bettina Knötzl, die auch Präsidentin des österreichischen Ablegers der Nichtregierungsorganisaiton Transparency International ist, kündigt an, auch ältere Fälle zu prüfen und daraus systemische Empfehlungen abzuleiten. Eine zusätzliche externe Meldestelle ist bereits eingerichtet. Thurnher weiß, dass Aufklärung nicht allen gefallen wird: Da müsse man jetzt einfach mal durch.
Während Aufsichtsgremien und Führungsetagen streiten, hat die Redaktion ein eigenes Signal gesetzt. Hunderte Journalisten protestieren unter dem Hashtag #nichtmituns auf Social Media und einer eigens eingerichteten Webseite. Es ist eine privat organisierte Aktion, nicht eine des Senders. Die Kernbotschaft: „Wir wollen unsere Arbeit machen und nicht mit Skandalen und Missständen in Verbindung gebracht werden, für die wir nichts können.“ Für ein Haus, das sich als zentrale Informationsinstanz versteht, ist das mehr als Symbolik. Es ist der Versuch, die Trennlinie zwischen redaktioneller Arbeit und Managementfehlern sichtbar zu machen – eine Trennlinie, die in öffentlichen Debatten oft verwischt.
Michaela Seiser, faz.net, 05.05.2026 (online)

