In Organisationen sogenannter Lebensschützer tauchen etliche Namen von Mitgliedern einflussreicher Adelsfamilien auf. Sie stützen ein europaweit aktives Netzwerk, dem es offenbar um mehr geht als den Schutz ungeborenen Lebens. […]
Die Stiftung „Ja zum Leben“ wurde 1980 gegründet von der 2016 gestorbenen Johanna Gräfin von Westphalen, die einer erzkonservativ geprägten Adelsfamilie entstammt, einer Nebenlinie der Habsburger. Das christliche Online-Magazin Corrigenda nannte sie in einem Nachruf „Geburtshelferin der Lebensschutzbewegung“, deren Ziel es gewesen sei, „ungeborenen Kindern auf politischer Ebene eine Stimme zu geben“. Sie gründete auch die „Christdemokraten für das Leben“ in der CDU/CSU. Heute führt ihre Tochter Marie-Elisabeth von Hohenberg die Stiftung, ihr Mann Nikolaus sitzt im Vorstand. […]
Wie stark ihr Einfluss gewachsen ist, zeigen Daten des EPF: Zwischen 2009 und 2018 flossen rund 700 Millionen Dollar in die Anti-Gender-Finanzierung in Europa. Von 2018 bis 2022 sei der Betrag konservativ gerechnet auf 1,12 Milliarden Dollar gestiegen. „Die Finanzierung hat sich also mehr als verdoppelt“, sagt EPF-Direktor Datta. Der Großteil des Geldes stamme inzwischen aus Europa selbst, nicht mehr nur aus den USA oder Russland.
Der Einfluss zeigt sich auch daran, wie professionell die Organisationen auftreten. Was früher „lose religiös-sozialkonservativ“ organisiert gewesen sei, sei heute „professionelles Lobbying und Interessenvertretung“, sagt Datta: mit PR-Agenturen, Thinktanks, eigenen Sprecherinnen, Social Media und juristischen Strategien.
Livia Hofmann, sueddeutsche.de, 21.07.2026 (online)

