Zitiert: Deutsche Filmproduzenten sind zu klein

In Wahrheit sind unsere größten Produzenten, die hier vorne sitzen, um den Faktor 100 kleiner als die amerikanischen Majors. Und wir können diesem Wettbewerb nicht ausweichen. Der ist unangenehm, aber er ist da. Um die Größenverhältnisse klarzumachen: Wir sind die sympathischen kleinen Mäuse und das sind die Elefanten. Und die Elefanten tanzen gerade. Und wenn wir diesen Tanz bestehen wollen, dann müssen wir an Größe gewinnen. Und das bedeutet, dass die Industrie sich finden muss miteinander. Sie wird sich wahrscheinlich verbünden. Wir müssen neue Größenordnungen schaffen. Wir müssen übrigens die Streamer und die Sender auch umarmen. Und weil Frau Müntefering meinen persönlichen Lieblingsfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erwähnt hat: Der Protagonist lernt ja dann französische Gedichte auswendig, um seine Angebetete zu beeindrucken. In Wahrheit scheitert er damit, weil er in einem Menuett-Tanz der Interessen stecken bleibt. Am Ende gewinnt er nur, indem er die andere Seite wirklich umarmt. Und genau das Gleiche muss jetzt passieren in der Industrie. Die Produzenten und die Streamer, die Sender und die Kreativen, auch die Öffentlich-Rechtlichen, die werden dieses Spiel nur gewinnen, wenn sie das jetzt gemeinschaftlich tun. […]

Das ist am Ende natürlich der Schlüssel. Wir wollen Investoren locken, wir wollen sie nicht abzocken. Und deswegen ist meine Ermutigung die 8 % – ja aus ihrer Sicht zu wenig – die 12 % – als Ausgangspunkt für Verhandlungen – als Fundament zu begreifen. Aber ich bin der festen Überzeugung, es werden am Ende sehr viel mehr, wenn wir das nun konstruktiv und kreativ und lustvoll betreiben. Vielleicht kriegt man bei 15 % ein Essen mit Oliver Berben bei 20 % ein schönes Plakat aus den Händen von Frau Müntefering.

Es sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt in der Motivation. Nur der Gestus, der muss umarmend sein. Und das bedeutet übrigens auch, dass wir uns der Verantwortung bewusst sind. Wenn die Gesellschaft, die Republik – und in diesem Fall einfach nur sublimiert durch Parlament und Regierung – sich sagt: Doch, wir geben euch das Steuergeld von der Kassiererin in Essen und von dem Handwerker aus Sindelfingen – dann macht aber jetzt auch was draus. Und das in einem kulturellen Sinne: Entfaltet die kulturelle Vielfalt, die Kraft, die wir brauchen. Übrigens auch, um diesen wahnsinnigen Rechtsautoritarismus einzuhegen, aber auch aus einer sozialen Verantwortung, nicht nur den Steuergeldzahlern gegenüber, sondern auch dem Publikum gegenüber. Ich glaube, die Orientierung am Publikumserfolg, dass wir Filme produzieren, die viele begeistern, ist eine Kategorie, die eine demokratische Qualität in sich hat. Sie ist nicht nur eine Marktorientierung, sondern sie bedeutet auch, dass wir uns hinwenden zu denen, für die wir eigentlich Filme produzieren.

Wolfram Weimer, Rede zum deutschen Produzententag, 13.02.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)