Ich zeige darin, dass wir bei allem, was gerade passiert, einen großen, eher unsichtbaren Strukturwandel aus den Augen verlieren: dass der liberale Nationalstaat mit all seinen Vorzügen und Schwächen zunehmend durch eine Regierung der Maschinen ersetzt wird. Der öffentliche Diskurs ist automatisiert und wird vollständig von Konzernen beherrscht, die ungefähr drei Leuten gehören. Die Vorstellung, uns in einem politischen oder demokratischen Meinungsbildungsprozess zu befinden, wird mehr und mehr zur Illusion, weil wir in einem künstlichen Staat leben. Manchmal sagen mir die Leute dann: Wie können wir in einer maschinellen Regierung leben, Trump ist diesen Maschinen doch nicht rechenschaftspflichtig! Tatsächlich ist er das, und ein Grund, warum ihn die Leute so lieben, ist, dass er so unabhängig wirkt. Er ist nicht wie Kamala Harris, deren Äußerungen von Analysten algorithmisch kuratiert wurden. Bei Trump hingegen denkt man: „Der sagt alles zu jedem, über alles und jederzeit. Er ist ein Verrückter, ein Wahnsinniger.“ Das ist erfrischend, das ist, was die Leute zum Teil an ihm mögen. Aber wir müssen uns mit dem tiefer liegenden Problem auseinandersetzen. Den künstlichen Staat hat nicht Trump, den haben die Konzerne geschaffen, und jetzt haben sie die Weltherrschaft.
Jill Lepore, faz.net, 04.04.2026 (online)

