Fachmagazine weg, Inhalte über den Tag verstreut: Der Deutschlandfunk verspricht mehr Tiefe. Doch seine Reform droht das Programm zu verflachen.
Das Radio lebt in zwei Wirklichkeiten. Nach jeder neuen Reichweitenmessung feiern die Sender sich als verlässlichstes und meistgenutztes Medium. In den Kommentarspalten gilt Radio dagegen als langweiliges Überbleibsel. […]
Beim Deutschlandfunk warnen nun Mitarbeitervertretungen vor unsicheren Perspektiven für freie Autoren und weniger Raum für Fachbeiträge. Verdi spricht von einem tiefgreifenden Umbau, der Deutsche Journalisten-Verband vor einem Verlust an Vielfalt und fachlicher Tiefe.
Sogar der Hörfunkrat verlangt messbare Kriterien, anhand derer die Folgen der Reform überprüft werden können. Das ist vernünftig. Der Deutschlandfunk erreicht täglich 2,52 Millionen Menschen. Ein Mangel an Publikum ist sein Problem bislang nicht.
Ein beitragsfinanzierter Sender muss nicht jede Minute auf maximale Zugänglichkeit trimmen. Seine Stärke liegt gerade darin, Aufmerksamkeit nicht nur zu bedienen, sondern zu erzeugen; Interessen nicht nur zu messen, sondern zu wecken.
Thomas Pany, Telepolis, 16.09.2026 (online)

