Der Sender wollte viel zu lange ignorieren, dass es bei dieser Landtagswahl auch um seine eigene Existenz geht. Jetzt kämpft er, mit wenig subtilen Mitteln. Aber zu Recht. […]
Es ist eine heikle Aktion, insbesondere in einem Wahlkampf. Der MDR ist zur Neutralität verpflichtet. Er riskiert, den Eindruck zu erwecken, gegen die AfD zu kämpfen, was nicht zuletzt ein Vorwurf ist, den ihm die AfD und ihre Anhänger machen.
Aber der MDR kann nicht neutral sein, was seine eigene Existenz angeht. Er hat lange versucht zu ignorieren, in welchem Maße es bei dieser Landtagswahl um ihn selbst geht. Er hat sich selbst ausgeblendet, um sich nicht angreifbar zu machen. Aber das ließ sich nicht weiter durchhalten – dafür ist das Szenario einer AfD-Regierung inzwischen zu realistisch.
Dass das eine Gratwanderung ist, ist den Verantwortlichen bewusst. Es gehe nicht darum, den Menschen zu sagen, was sie wählen sollen, sagte Tim Herden, Direktor des MDR-Landesfunkhauses Sachsen-Anhalt, am Dienstag im eigenen Programm. Aber es brauche „aufgeklärte Wähler“. Vielen sei gar nicht bewusst, was auf dem Spiel steht.
Man kann darin eine bittere Ironie sehen: Wenn die Wähler nicht gut genug informiert sind über eine AfD-Forderung und ihre Konsequenzen, ist das wohl auch ein Versäumnis des MDR. Diese Information zu leisten, auch in eigener Sache, ist nicht nur legitim, sondern selbstverständlich der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Man darf an diese Informationen in eigener Sache besondere Ansprüche stellen an Genauigkeit und Fairness; aber eigentlich sind das nur normale Anforderungen an jede Berichterstattung.
Stefan Niggemeier, sueddeutsche.de, 26.08.2026 (online)

