In jedem System ist das Gelingen ein Unfall. Man kann es nicht einrichten, dass der gute Film die Regel ist. Der gute Film ist das Mittelmaß. Und da ist Hollywood genial. Godard hatte recht, als er sagte: Ich schaue lieber einen schlechten amerikanischen Film als einen schlechten norwegischen. Columbia, Warner, MGM, RKO, das waren Studios mit eigenem Profil, und man konnte mit denen darüber verhandeln, was sich innerhalb eines Five-Picture-Deals realisieren ließe. Ich verstehe Dominiks Bonmot insofern als Trauerarbeit. Er hält die Autorenfilmer für die Verursacher der gegenwärtigen Situation, aber sie sind auch nur Mitgeschwemmte. Wer glaubt in der Kirche, der stört. Wer wissen will in der Schule, der stört. Wer ans Kino glaubt, der stört die Filmförderung. Darum sage ich: Vertraut uns Filmemachern. Macht es uns einfacher, je einfacher, desto freier werden unsere Filme, in jedem Sinne. Weniger Einreichungen, Belege, Vorweisungen, weniger Bürokratie, weniger Abbilder der Fördergelder. In Gremien lesen insgesamt 100 Leute deinen Stoff, und dann wird versucht, etwas zu schaffen, das man nicht kritisieren kann. In den Siebzigern hatten immerhin einzelne Redakteure die Macht, zu sagen, Herr Fassbinder, hier ist das Geld, legen Sie los. In Dänemark gibt es das Modell einer fünfjährigen Förderintendanz, nach dem Motto: Genau diese oder jene Art von Kino wünschen wir uns, also versuchen wir es. Auswürfeln wäre auch eine Möglichkeit. Aber wir müssen weg von dieser deutschen Sehnsucht nach immer neuen Debütfilmen mit genialen Träumen und einer großen Schleife drum, die alles zum Besseren wenden. Filme, die Monumente sein wollen, sind eigentlich Grabsteine.
Christoph Hochhäusler, faz.net, 28.08.2026 (online)

