Was waren das denn nun eigentlich für Zeiten? Warum war es für den jungen Wenders so selbstverständlich, diese Szene zu drehen, für die Juroren des Deutschen Filmpreises, den Film daraufhin mit sechs Filmbändern in Gold auszuzeichnen (darunter für Regie, Drehbuch, Kameraführung und das Gesamtensemble), für Wolfgang Petersen, das Ganze mit Nastassja Kinski zwei Jahre später in dem „Tatort: Reifezeugnis“ zu wiederholen, und letztendlich auch für die minderjährige Kinski, sich offenbar verpflichtet zu fühlen, entgegen einem tiefen Unwohlsein dabei ein zweites Mal mitzumachen? […]
Aber was folgt daraus? Als Mindestanforderung sollte diese Erkenntnis nicht zur immer etwas bigotten Verdammung von irgendwem und irgendwas in der Vergangenheit dienen, sondern vielleicht zu einer Art Selbstüberprüfung in der Gegenwart: Was treiben wir alles, was uns morgen schon peinlich sein, was im Nachhinein als übergriffig empfunden werden wird?
Chris Wahl, faz.net, 09.07.2026 (online)

