Keine Wirtschafts-, keine Wissenschafts- keine Kultursendung mehr: Der Deutschlandfunk will magazinhafter werden. Offenbar merkt dort keiner, wie unzeitgemäß dieses Konzept ist. […]
Der Deutschlandfunk hat die Gewohnheiten seiner Hörer untersucht – und dabei erkannt, dass die meisten Menschen das Programm nicht deshalb einschalten, weil sie etwas Bestimmtes hören wollen. Sie schalten ein, weil sie gerade Zeit haben oder mit dem Auto unterwegs sind. Und deshalb soll künftig verhindert werden, dass jemand eine Sendung hört, mit der er nicht gerechnet hat. Dass also jemand, dem die Religion ganz egal ist, trotzdem „Tag für Tag“ hört. Und staunt, wie interessant das ist. Man kann es auch so sagen: Der Deutschlandfunk hat beschlossen, dass er sein Publikum nicht mehr überraschen will.
Die halbstündigen Sendungen werden abgeschafft; kein „Büchermarkt“ mehr, keine Wissenschafts- und keine Wirtschaftssendung. Das Programm soll magazinhafter werden – mit gemischten Beiträgen aus jenen Fachredaktionen, die bislang ihren eigenen Sendeplatz hatten. Dass das aber funktioniert, die Rezension eines schwierigen Romans oder der Bericht über die neuesten Winkelzüge der Quantenphysik, in einem Programm, dessen Konzept die sogenannte Durchhörbarkeit ist: Das glaubt man eher nicht. […]
Seine Mediathek ist ein Schatz, eine Wunderkammer, ein Wissensspeicher.
Wie man dort künftig die verstreuten Magazinbeiträge genauso leicht suchen und finden soll, ist die Frage, die der Deutschlandfunk noch nicht beantwortet hat. Es ist ein Jammer, sie wollen sich versenden.
Claudius Seidl, sueddeutsche.de, 07.07.2026 (online)

