Zitiert: Demokratiepass zur Medienförderung

Mit einer staatlichen Zustellförderung wollte die Ampel-Regierung das drohende Zeitungssterben stoppen. Doch das im Koalitionsvertrag angekündigte Vorhaben wurde aufgrund knapper Haushaltsmittel gecancelt. Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag, wie gegen die Ausdünnung der Medienvielfalt vorgegangen werden könnte. Über einen „Demokratiepass zur Medienförderung“ diskutierten am letzten Tag der Digitalkonferenz re:publica Expert*innen aus Wissenschaft und Politik. […]

Björn Staschen, Medienwissenschaftler und langjähriger NDR-Mitarbeiter, skizzierte in groben Zügen, wie ein solches Modell beschaffen sein könnte. Der Staat zahle Elterngeld, Pendlerpauschalen und manches mehr. Warum versetze er die Menschen nicht in die Lage, sich vernünftig zu informieren, um an Demokratie teilhaben zu können?“, so seine rhetorische Frage. Sein Vorschlag: Die Kommune, das Bundesland, der Staat geben den Bürger*innen ein jährliches Budget. Aus dem können sie den Zugang zur Information und Meinungsbildung bezahlen. […]

Ein Vorbild existiert bereits. Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat nach der Corona-Pandemie ein voucherbasiertes System zur Kulturförderung entwickelt. Damit bekommt in diesem Jahr jede*r 18jährige ein Digitalguthaben von 200 Euro für ein Jahr für Kulturangebote. Die Erfahrungen, so Tabea Rößner, seien ermutigend: rund 40 Prozent der Altersgruppe habe die Möglichkeiten des Kulturpasses genutzt, sodass jetzt eine Ausweitung auch auf Jüngere geplant sei. […]

Die Qualitätsfrage müsse bei einem solchen Demokratieförderungsprojekt zuallererst an die User selbst gestellt werden, urteilte Wiebke Loosen. Die Nutzenden hätten oft ganz andere Qualitätskriterien als Expert*innen. Die Qualitätsforschung habe lange nur die Medienproduzenten und -politikerinnen nach ihren Maßstäben gefragt. Die User wendeten sich jedoch anderen Angeboten zu, etwa denen von Influencer*innen, die auch zur Meinungsbildung beitragen würden.

Thorsten Thiel verwies auf die Nachteile eines publikationsorientierten Modells, bei dem ein Gutschein nur für einen bestimmte Kreis von Medien eingelöst werden könne. Dabei bekenne sich der Nutzer zwar aktiv zu einer bestimmten Publikation. Jedoch bestehe die Gefahr, „dass wir den Status quo zementieren“.

Günter Herkel, M(verdi), 30.05.2024 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)