Zitiert: Das „Skandal-Spiel“ und das Geschäft mit der Empörung

Ausgerechnet dort, wo genauer hingeschaut werden müsste, wird vergröbert. Ausgerechnet dort, wo konkrete Schwachstellen, Abläufe und Verantwortlichkeiten interessant wären, triumphieren Symbolpolitik, Schlagzeilenlogik und moralische Überhitzung. Die lokale Frage, warum ein solcher Abend in Dresden so ablaufen konnte, verschwindet hinter der nationalen Pose, dass nun wieder über „den Fußball“ verhandelt werden müsse.

Vielleicht ist genau das die bequemste Form der Berichterstattung: Sie muss wenig wissen, kann aber nach sehr viel klingen. Sie muss nicht rekonstruieren, sondern nur aufblasen. Und sie kann sich dabei sogar noch einreden, besonders entschlossen oder klar zu sein – ohne den Blick auch auf sich selbst zu richten. Tatsächlich liefert sie nämlich oft nur das, was Täter, Hardliner und Fernsehroutinen gleichermaßen gebrauchen können: eine große Bühne, eine einfache Erzählung und die nächste Runde Erregung.

Andrej Reisin, Übermedien, 08.04.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)