Hans-Joachim Watzke poltert gegen die Flut an TV-Experten am Spielfeldrand. Ein tieferer Blick zeigt jedoch: Seine Kritik ist einseitig und blendet die finanzielle Abhängigkeit der Klubs von den Sendern völlig aus. Eine Analyse. […]
Man muss Hans-Joachim Watzke in einem Punkt zweifellos recht geben: Die Taktung und die Tonalität in der deutschen Sportmedienlandschaft haben sich massiv verändert. In einer immer hektischeren und digitalisierteren Welt erlangt oft derjenige die meiste Aufmerksamkeit, dessen Thesen am lautesten knallen und dessen Urteile am schärfsten formuliert sind. Es ist die Ära der „Click-Kultur“. […]
Watzke lässt wesentliche Punkte aus, er verkürzt quasi die Debatte. Er vergisst – oder ignoriert ganz bewusst – dass es genau die Klubs sind, die immensen Einnahmen der Medienanbieter förmlich absaugen. Es ist ein offenes Geheimnis in der Branche: Nur die wenigsten TV-Sender verdienen mit der Übertragung der Bundesliga wirklich Geld. […]
Wenn Watzke sich über die „vielen Leute“ am Spielfeldrand beschwert, kritisiert er im Grunde das Entertainment-Paket, das erst geschnürt werden muss, um die Summen zu refinanzieren, die sein eigener Verein und die gesamte Liga so gerne einstreichen. Wer die Party durch Rekord-Forderungen bei den TV-Rechten bezahlen lässt, darf sich am Ende nicht darüber echauffieren, dass der Gastgeber versucht, das Programm so schrill und unterhaltsam wie möglich zu gestalten, um seine Kosten zu decken.
Manuel Weis, digitalfernsehen.de, 14.04.2026 (online)

