Zitiert: Das Desaster mit den KI-Richtlinien in den Medien

Nur sehr wenige Redakteure und Journalisten wissen, wie Große Sprachmodelle arbeiten. Sie vertrauen ChatGPT, Grok und anderen nahezu blind. Welche Vektorisierungen und Wortmatrizen verwendet worden sind, auf deren Basis solch ein Großes Sprachmodell arbeitet, weiß da niemand. […]

Wirklich trauen kann man nur dem KI-Tool, dessen Großes Sprachmodell man selbst entwickelt hat, dessen Trainingsdaten man überprüft, dessen Wissensbasis man referenziert und dessen Entscheidungen man regelmäßig überprüft. […]

Das allerdings wäre ein K.-o.-Kriterium für den Einsatz von solchen Werkzeugen in Redaktionen. Wer nämlich diese Qualitätskontrolle in Sachen KI betreibt, der hat einen wesentlich größeren Arbeitsaufwand, als sich Medienmanager das bislang so vorstellen. […]

Weil in den mir vorliegenden KI-Richtlinien der Medienhäuser in technischer Hinsicht so gut wie nichts technisch solide reguliert ist hinsichtlich des KI-Einsatzes, sind deren Bestimmungen auch nicht alltagstauglich. Wir finden stattdessen wohlfeile Formulierungen für Sonntagsreden darin.

So gesehen schaden derartige KI-Richtlinien mehr, als sie nutzen. Denn in den Medienhäusern glaubt man, doch etwas für den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Tools in Redaktionen getan zu haben. Das Ganze erfüllt aber allenfalls eine Alibifunktion.

Peter Welchering, berliner-zeitung.de, 02.03.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)