Zitiert: Das Bild des Genies nicht aufrechterhalten

Viel zu lange Zeit waren wir bereit (und sind es heute immer noch), große Künstler nahezu bedingungslos zu bewundern, während weibliche Künstler oft noch nicht einmal Eingang in die Geschichte fanden. Und wo die einen nicht stattfanden, entwickelte sich für die anderen oft eine Art Schutzmauer – auch gestützt durch Frauen. Verlage, Produzenten, Feuilletons und Fans hatten (und haben) ein Interesse daran, das Bild des künstlerischen Genies aufrechtzuerhalten. Verfehlungen im Privaten wurden und werden relativiert, problematische Verhaltensweisen entschuldigt oder als Teil eines außergewöhnlichen Künstlerlebens verklärt. Genialität – das perfekte Schutzschild vor allzu viel Moral und

Erst in den vergangenen Jahren wurde sichtbarer, wie viele Fälle es gibt, in denen hinter dem gefeierten Künstler ein Mensch stand, der andere verletzt, gedemütigt oder ausgenutzt hat. Das bedeutet nicht, dass jedes große Werk verworfen werden muss. Aber wir sollten aufhören, Ruhm und Talent als moralischen Freifahrtschein zu betrachten. Idole dürfen hinterfragt werden. Man kann anerkennen, dass jemand Großes geschaffen hat – auch wenn er menschlich gesehen ein Totalausfall war, das eine löscht das andere nicht aus. Doch wir sollten aufhören, unsere Idole auf Podeste zu stellen, die so hoch sind, dass sie von dort nur noch eines können: herunterstürzen.

Judka Strittmatter, berliner-zeitung.de, 05.06.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)