Zitiert: Belege für etwas, das man zu wissen glaubt

Manchmal wünsche ich mir als Journalistin Belege für etwas, das ich längst zu wissen glaube. Zum Beispiel, dass der Manager einer Künstlerin sich wie ein Arschloch verhält. Ich weiß, dass er viel Unsinn redet und Menschen schlecht behandelt – aber nichts davon ist konkret, justiziabel, zitierfähig. Es reicht nicht für eine Geschichte. Und da sind wir schon bei meinem Punkt: Es tut weh, aber Journalismus lebt nicht von persönlichen Gewissheiten, sondern von Beweisen.

Diese Spannung begleitet unseren Beruf. Hatte eine Tat ein queerfeindliches Motiv? Vielleicht. Ist jemand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ungeeignet für seinen Job? Möglich. Doch veröffentlichen darf man nur, was sich belegen lässt. Wer – wie ich – potenziell jeden Tag Zehntausende Menschen erreicht, beeinflusst Diskurse. Das verpflichtet zur Sorgfalt.

Ann-Kathrin Leclere, taz.de, 20.02.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)