Was mich ärgert, ist die Art und Weise, wie die letzte Staffel mit den geschichtlichen Fakten umgeht – zumal am Ende der Bogen in die Realität geschlagen wird, indem das historisch verbürgte Schicksal wichtiger Serienfiguren kurz skizziert wird. Das suggeriert dem Zuschauer: Genau so war es. Das finde ich unredlich, weil die Staffel einige Dinge als historische Tatsachen behauptet, die mindestens umstritten sind. […]
An erster Stelle die Krankenakte Hitler, die ein zentrales Motiv der Handlung bildet. […] Es ist ja nicht einmal erwiesen, ob es Hitlers Krankenakte wirklich gegeben hat. Und selbst wenn: Hätte man die Nazis stoppen können, wenn man sie veröffentlicht hätte? Wenn die Serie das mit solcher erzählerischer Wucht behauptet und am Ende noch den Eindruck erweckt, genauso sei es gewesen, dann halte ich das für gefährlich. Ebenso, wie dort die Hintergründe des Reichstagsbrands geschildert werden. Die Serie tut so, als wüsste sie, wie es wirklich gewesen ist. Das weiß aber niemand, auch mehr als 90 Jahre nach dem Ereignis nicht. „Babylon Berlin“ hatte immer schon in manchen Details historische Abweichungen, aber das waren Kleinigkeiten, und das ist in der Fiktion natürlich auch statthaft und manchmal dramaturgisch notwendig. Aber ich finde, wenn es darum geht, wie die erste deutsche Demokratie zerstört worden ist, sollte man sich mit Behauptungen zurückhalten, die letztlich auf Verschwörungstheorien beruhen. Da macht man es sich zu einfach.
Volker Kutscher, faz.net, 12.09.2026 (online)

