Zitiert: Alternativmedien früher und heute

Angst ist eine treibende Kraft von Alternativmedien. Während Rechte sie zur Zerstörungslust einsetzen, nutzten Linke sie nach Tschornobyl produktiv. […]

Heute haben Ängste wieder Hochkonjunktur. Doch die Art, wie sie verhandelt werden, ist dysfunktionaler geworden. Wieder spielen Milieuunterschiede eine wichtige Rolle. Das progressive Lager fürchtet sich heute oft vor den Folgen der Klimakrise, des Artensterbens, vor (KI-)Faschismus oder Sozialabbau. Wer rechts denkt, hat hingegen vielfach Angst vor dem Wirtschaftscrash, vor Migration, Kriminalität, „Heimatverlust“.

Das sind eben jene Themen, die heute ein neues, florierendes Ökosystem rechter Alternativmedien und mit ihnen verbundene Social-Media-Kanäle bewirtschaftet. Auf1, Apollo News, Compact, Deutschland-Kurier, Journalistenwatch, Nius, Tichys Einblick und viele mehr reklamieren den Begriff der Gegenöffentlichkeit für sich. Sie machen sich das schwindende Vertrauen in etablierte Medien zunutze und befeuern es.

Sie reklamieren eine Rolle für sich, die dem Selbstbild der Alternativmedien von einst ähnelt: Als „Stimme des Widerstands“, Kämpfer für Meinungsfreiheit, als marginalisiert vom Mainstream, bedroht oder gar verfolgt. Ihre Kernbotschaft: Verfall überall, den Eliten ist nicht zu trauen, Medien lügen. […]

Ähnlich wie früher sieht man sich als „wahre Opposition“. Wo sich einst von „bürgerlichen Medien“ abgegrenzt wurde, sind heute „Systemmedien“ der Gegner, wo früher „Establishment“ und „Schweinesystem“ wegsollten, geht es heute gegen „Volksverräter“, „Grün-links“ oder einen „tiefen Staat“. Die Inhalte der rechten Alternativmedien sind des vielfach progressiven Charakters ihrer nominellen Vorgänger beraubt und ins Gegenteil verkehrt.

Eine neue, „bewegungsnahe“ Partei, deren Erfolg herbeigeschrieben werden soll, gibt es auch. Die Grünen sollten einst das Land von AKWs und Pershing-Raketen befreien. Die AfD soll aufräumen mit Migration, Gender, EU oder Klimapolitik.

Christian Jakob, taz.de, 25.04.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)