Nicht alle ARD-Anstalten und auch nicht das ZDF nagen schon am Hungertuch. Aber wahr ist zugleich, dass die kleineren und mittelgroßen Sender, zu denen der MDR zählt, nur über zu Ende gehende Reserven verfügen. Jetzt geht es ans Eingemachte.
Die vom MDR-Intendanten präsentierten Sparmaßnahmen haben eine mehrdeutige Qualität. Zunächst als Erpressungspotenzial an die Rundfunkpolitik, die dem Publikum seine telegene Lieblingsbeschäftigung am Sonntagabend raubt – es sei denn, es fließt endlich mehr Beitragsgeld in die Senderkassen.
Zweitens als Aufforderung an die ARD selbst, dem MDR finanziell unter die Arme zu greifen, vielleicht über einen Solidarfonds.
Und drittens als Mahnung, dass der Osten im ARD-Programm an Sichtbarkeit verliert. Und das ist dann eine Konsequenz, die über den ARD-Krimi hinaus in die Ost-West-Befindlichkeit hineinspielen kann. Mehr Krimi geht kaum.
Joachim Huber, tagesspiegel.de, 11.05.2026 (online)

