Journalismus fungiert als Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaftskommunikation, doch wenn Journalismus politisch anderes vorhat, grätscht er den wissenschaftlichen Aspekt einfach weg. Liegt hierin die Skepsis vieler Menschen gegenüber dem Wort der Wissenschaft begründet? […]
Nutzen also teils Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihren Status, um eigene Meinung im öffentlichen Raum zu „verwissenschaftlichen“? Das mag eine kleine Gruppe betreffen, findet jedoch mehr Gehör als die seriöse Analyse.
Dass dem so ist, liegt an der generellen Popularisierung von Wissenschaft im massenmedialen Diskurs. Vermutlich war es die Covid-19-Pandemie, die ein wissenschaftlich komplexes Thema in jedes Wohnzimmer getragen hat. Und es war die Sternstunde der Aufmerksamkeitsökonomie, weil jeder plötzlich (Wissenschafts-)Experte war und alle den Experten in der Sache, Christian Drosten, widerlegen wollten. Der wissenschaftliche Sachdiskurs? Blieb weitgehend auf der Strecke.
Mediale Aufmerksamkeitsökonomie setzt also weniger auf Expertendiskurs als vielmehr auf massenmediale Verbreitungsvielfalt.
Katja Thorwarth, fr.de, 28.04.2026 (online)

