Zitiert: Wozu brauchen wir eigentlich Medienjournalismus

„Ich finde, das Besondere und Einzigartige von Medienkritik ist, dass sie einen sehr umfassenden Anspruch hat, einen ganzheitlichen Ansatz. Medienkritik umfasst eine große Palette von Themen: Das geht los mit einer politischen Ökonomie der Aufmerksamkeit, über Technikentwicklung und Organisationssoziologie bis hin zur Rezeptionsforschung und Filmästhetik. Dazu gehören Fragen wie: Wird Twitter von der Fußball-WM profitieren? Wie geht der WDR mit der Metoo-Debatte um? Gibt es eine Krise des Dokumentarfilms? Wie wird der nächste „Tatort“? Das ist eine große Bandbreite. Aber darin besteht der Reiz von Medienkritik und das ist der Grund, warum es Medienkritik als besonderes Ressort und besondere Spielart des Journalismus gibt. Ich sehe aber die Tendenz, dass der Medienjournalismus zerfällt in Ökonomie einerseits und feuilletonistische Kritik andererseits. Das eigentlich Spannende ist aber der Zusammenhang: Was hat die Ästhetik eines Medienprodukts mit der dahinter liegenden Ökonomie zu tun?

Es gibt einen Zusammenhang von Technologie und Kultur-Veränderung. Darum darf der Medienjournalismus nicht noch stärker in Ökonomie und Kritik unterteilt werden. Beides gehört zusammen! Das muss nicht immer zwingend alles in einem Artikel stehen, aber letztlich ist diese Einheit für mich das Faszinierende an der Medienkritik. … Eine Meinung kann jeder haben, plötzlich wird alles irgendwie zur Meinung, steht beliebig nebeneinander. Der Physik-Nobelpreisträger und Lothar Matthäus, Margot Käßmann und Sophia Thomalla – alle haben eine Meinung. Solche Entwertungsprozesse muss man in einen Zusammenhang stellen zur Ökonomie der Aufmerksamkeit und das sind wir wieder sowohl bei der Art der Medien-Rezeption wie den bei den Bedingungen und Zielen der Produzenten.“

 

Bernd Gäbler, meedia.de, 16.07.2018 (online)

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