Zitiert: Wie das Konstrukt der “privilegierten Quelle” im Falle der Polizei der Glaubwürdigkeit der Presse schadet

Man denke nur an die NSU-Morde: Nahezu die gesamte Presse zweifelte über Jahre hinweg nicht das rassistische Narrativ der Sicherheitsbehörden über die „Dönermorde“ an. …

Es handelt sich bei der privilegierten Quelle um eine aus einigen Urteilen abgeleitete Regel, keine Gesetzmäßigkeit. Es ist zwar nachvollziehbar, dass es bequem für Redaktionen ist, nicht jede Polizeimeldung über einen Autounfall nachrecherchieren zu müssen. Doch wie kann eine Presse behaupten, sie sei frei und unabhängig, wenn sie staatliche Quellen nicht gleich behandelt wie alle anderen auch? Ist ihr nicht klar, dass sie funktionalisiert wird? Nämlich von der Seite, die von der ungefilterten Weitergabe und dem Nicht-Hinterfragen ihrer Mitteilungen profitiert.

 

Lorenz Matzat, medium.com, 4.7.2017 (online)

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