Perspektiven eines Wertwandels

„Wenn wir die Haltungen des starren Festhaltens am Alten und der Resignation einmal vernachlässigen, die für jüngere Menschen nicht so typisch sind, können wir aus unseren Daten drei um die Jugend konkurrierende Pfade des Wertewandels bestimmen:

  • Selbstentfaltung durch Protest und idealistisches Engagement (Idealist – stagnierend),
  • Selbstentfaltung durch Konsum und Genuß (Hedomat – zunehmend) und
  • Selbstentfaltung durch selbstbestimmte Integration (Realist – zunehmend).

Von der Innovationsbereitschaft und Reformfähigkeit unserer Gesellschaft, insbesondere ihrer Eliten, hängt es ab, ob wir junge Menschen als aktive Realisten in das soziale System integrieren können oder sie als Hedomats einer politisch diffusen Protesthaltung überlassen, die die Gefahr des Abgleitens in den Rechtsradikalismus mit sich bringt. …

Wenn junge Menschen das Glück haben, in institutionelle Handlungsfelder zu geraten, wo sie die Chance haben, Verantwortungsrollen zu übernehmen, dann ist für sie „Tugend“ und „Selbstverwirklichung“ kein Gegensatz. …

Man kommt um die Gesellschaft und ihren Wandel nicht herum. Es gibt jedoch zwei Wege, um sich damit zu konfrontieren.

  • Der eine Weg ist die Verteufelung des gesellschaftlichen Wandels in Verbindung mit dem hilflosen Ruf nach einer Umkehr zu früheren Zuständen.
  • Der andere Weg besteht darin, eine realistische Sicht in Offenheiten und Chancen des Wertewandels und der gesellschaftlichen Entwicklung zu gewinnen, um dann eine bestimmte Option der Zukunftsgestaltung zu ergreifen.“

Helmut Klages: Werden wir alle Egoisten? Über die Zukunft des Wertewandels. In Politische Studien, Heft 336, 45. Jahrgang, Juli/August 1994

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