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Bei Helmut Kohl ging es am Ende nicht um 110 Euro für ein Kindermädchen im Hotel, sondern um eine die Republik erschütternde mafiöse Korruptionsstruktur. Der Dicke zahlte 300.000 Mark und die Justiz beließ es dabei, die Sache niemals aufzuklären. Mir ekelt vor Staatsanwälten im Auftrag der Bild-Zeitung, und vor den Zeitungen als Staatsanwälten auch. Wulffs Rücktrittsgrund ist „Peinlichkeit im Amt“, wie immer das juristische Verfahren ausgeht. Und offenbar ist uns ein schiefgegangener Musterschüler peinlicher als ein Bimbestitan.

 

Friedrich Küppersbusch, taz, 15.04.2013

 

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Im beschaulichen Berliner Stadtteil Reinickendorf erscheint seit 1999 „Die Dorfzeitung“. Jeden Monat liegt ein Exemplar davon in 30 000 Briefkästen. Der Inhalt ist von bescheidener Qualität, vor Anzeigen kann sich Annemarie Harms, Gründerin und Herausgeberin der Zeitung dennoch nicht retten. Der Allgemeinen Frankfurter Sonntagszeitung hat sie ihr Erfolgsrezept verraten: „Am wichtigsten ist, dass wir kein Niveau haben“.

Jürgen Amendt, Neues Deutschland, 15.04.2013

 

 

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MainzerMedienDisput: "Hassliebe“ - Von der Politiker-Verachtung zum Journalisten-Bashing PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Eleni Klotsikas   
Freitag, den 17. Dezember 2010 um 12:23 Uhr

Berlin, 16. November 2010

 

Journalisten und Politiker brauchen einander. Im Geschwindigkeitskampf um exklusive Informationen buhlen Journalisten um die Gunst der Politiker. Diese versuchen wiederum im medialen Aufmerksamkeitskampf durch die Journalisten ihre Botschaften an den Mann zu bringen. Aus diesem Abhängigkeitsverhältnis resultiert ein Nähe-Distanz-Problem, eine Art „Hassliebe“, so die These des Abends.

 

Es diskutierten (von links nach rechts) Harald Christ (Schattenwirtschaftsminister der SPD im Wahlkampf 2009), Bettina Schausten (Leiterin ZDF-Hauptstadtstudio), Moderator Prof. Dr. Thomas Leif (Vorsitzender Netzwerk Recherche,www.2plusleif.de), Bernd Ulrich (Leiter Politikressort DIE ZEIT), Dr. Gesine Lötzsch (Vorsitzende der Linken), Dr. Christoph Steegmans (stellvertretender Regierungssprecher)

 

Die Gefahr für eine sogenannte Hassliebe zwischen Journalisten und Politiker sei immer noch gegeben, bekräftigte gleich zum Auftakt der lebendigen Diskussion Bernd Ulrich von der ZEIT. Gleichwohl werden die Beziehungen zwischen Kontrahenten nicht mehr so exzessiv ausgelebt wie damals. Dies hänge mit dem Politiker-Typus von heute zusammen, so der Politikchef Deutschlands auflagenstärkster Wochenzeitung, der auch zur Kanzlerin einen guten Draht hat. Merkel pflege ein eher kühleres Verhältnis zu den Journalisten als seiner Zeit die „Machogeneration der Politiker Schröder-Fischer oder charismatische Urgesteine wie Willy Brandt oder Helmut Schmidt. Dadurch bestehe die Gefahr zu Beziehungsdramen wie damals zwischen Spiegel-Journalist Jürgen Leinemann und Schröder-Fischer ohnehin nicht.

Moderator Thomas Leif

 

Als Oppositionspolitikerin habe sie selbst wenig Macht Journalisten zu „korrumpieren“, sagte Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Linken. Sie könne Journalisten nämlich keine internen Regierungsinformationen bieten, woran diese besonders interessiert seien. Sie wundere sich aber darüber, dass die Charakterisierungen von Frau Merkel in der Presse deutlich positiver ausfallen seitdem sich ihre Machtposition von der Oppositionspolitikerin zur Bundeskanzlerin geändert hat. Auch die Geheimnisse zwischen Lafontaine und Gysi kenne sie nicht und könne auch damit keinen Journalisten ködern, sagte sie auf Nachfragen von Moderator Thomas Leif. Die "Betriebstemperatur" zwischen den Medien und ihrer Partei beurteilte sie als  "schwankend", wollte aber nicht wirklich weiter dazu äußern.

 

Dass sich Politiker und Journalisten abends gerne gemeinsam „die Birne zugießen“, dieses Verhalten nehme zunehmend ab, sagte Bettina Schausten, Leiterin ZDF-Hauptstadtstudios  Dennoch konstatierte sie, dass sie in ihrer alten Position als Leiterin der Innenpolitik beim ZDF mit der Distanz vom Mainzer Lerchenberg aus, den „übergeordneten Blick“ auf die Berliner Politik leichter wahren konnte als nach ihren Wechsel in die Hauptstadt. Schon allein durch die räumliche Nähe und durch das ständige sich-über-den-Weg-laufen bekomme man zwangläufig jedes „Beben“, jeden Atemzug der Parteien. Insgesamt  äußerte sich Hauptstaststudioleiterin jedoch sehr zurückhaltend. Nicht locker ließ jedoch Moderator Thomas dessen ungeschminktes Nachhaken immer wieder für eine gewisse Komik sorgte.

 

Im Gespräch mit Dr. Christoph Steegmans, stellvertretender Regierungssprecher

 

 

Mit überraschender Offenheit dagegen entlarvte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans das delikate Beziehungsgeflecht zwischen Journaille und Politik. Alkohol und persönliche Kontakte, die man besonders „nach der Arbeit“ pflege spielten dabei eine große Rolle. Besonders entlarvend waren seine Antworten auf die Frage, wie man in Berlin als Pressesprecher „Agendasetting“ betreibt. Das hörte sich fast so einfach an wie ein Kuchenrezept von Doktor Oetker. Man nehme, eine debattentaugliche Idee, die trägt, auf die ein Partner einer anderen Partei einsteigt, hinzu kommt ein starkes „Wording“, das besonders Oppositionspolitiker beachten sollteN. Als Regierungspolitiker komme man auch leichter mit einem schwachen „Wording“ auf die Seite zwei der Bildzeitung so Steegmann, der früher Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion war.

 

Nach der Podiumsdiskussion, die wie immer in der rheinlandpfälzischen Landesvertretung statt fand, gab es noch genug Gelegenheit im Foyer zwischen den Wänden der Foto-Ausstellung die Debatte bei Wein und Linsensuppe auf sich wirken und im persönlichen Gespräch ausklingen zu lassen.

 

Die gesamte Podiumsdiskussion zum Nachhören:

Um die Audio und Videodateien des Artikels abspielen zu können, müssen Sie sich anmelden.

 

Fazit:

Wissenswert: ***
Unterhaltungswert: ****
Kontaktwert: ****
Ambiente: ****

 

By Eleni Klotsikas

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. Dezember 2010 um 15:30 Uhr