Geht es auch ohne Quoten?

In der Schweiz mussten die Fernsehsender ein halbes Jahr ohne Quoten auskommen. Die Quoten sind geheim wegen eines richterlichen Publikationsverbots. Ein kleiner Sender hatte die Erhebung angegriffen – weil er der Meinung war, mit einem neuen Meßverfahren würden falsche Werte ermittelt und so die Werbegelder falsch verteilt, so die NZZ.

 

Trotz dieses TV-Quoten-Blindflugs hatte die Werbeindustrie weiterhin die „Mattscheibe“ genutzt. „Der Anteil der Schweizer Fernsehwerbung an den gesamten Brutto-Werbeausgaben ist im laufenden Jahr sogar noch einmal leicht auf 32,3 Prozent angestiegen“, so die NZZ.

 

In der Schweiz dürfen wieder Einschaltquoten veröffentlicht werden

Letzte Woche hat ein Gericht die einstweilige Verfügung aufgehoben, berichtete die NZZ. Die für die Messung zuständige Firma Mediapulse hatte in einem hundertseitigen Papier dargelegt, warum das Verfahren die Nutzung entsprechend richtig abbildet.

Einige Privatsender, die bei dem neuen System schlechter wegkamen, wiesen schon vor dem Systemwechsel einen negativen Trend aus. Auch teilweise grossen Ausschläge bei den Quoten, die man dem neuen Messverfahren als nicht erklärbar vorwirft, gab es schon früher. Wenn zudem darauf verweisen wird, dass der allgemeine Trend der Quoten eher negativ ist, lässt sich das einfach deuten: Das wachsende Medienangebot erschwert es jedem Akteur, seine Position verlustlos zu halten.

Sender, die seit Jahresbeginn eingebrochen sind, hätten Programmveränderungen vorgenommen, die nicht den veränderten Konsumgewohnheiten entsprechen würden. Mit Fernsehserien laufe man „Gefahr, das Publikum zu verlieren, weil inzwischen Serien über spezialisierte (Internet-)Kanäle effizienter zu beschaffen sind“.

Ebenso sind geringere Quote für die Werbung leicht zu erklären: Die Zuschauerinnen und Zuschauer würden versuchen, die – zumeist großen – Werbeinseln zu umschiffen.

Zudem ist festzustellen, dass die neu aufgenommenen Haushalte mit Laptop- bzw. mobiler Nutzung, weniger fernsehen. Die Ausstattung mit Fernsehgeräten ist bei diesen zudem geringer. Indem man deren Nutzungsmuster mit aufnimmt, erhöht man also nicht die Reichweiten, sondern verringert sie.

 

Rainer Stadler schlussfolgert deshalb in der NZZ:

„Das neue Messsystem, das die heutigen Konsumbedingungen besser abbilden soll, wirkt sich auf die Privatsender tendenziell negativer aus als auf die öffentlichen Sender, die ein durchschnittlich älteres Publikum ausweisen.“ Deshalb habe RTL auf diese Entwicklung bereits reagiert und erfasse seit Jahresbeginn 2013 die Quoten der 14- bis 59-Jährigen erreicht.

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)