Fragwürdige Ermittlung der Radioquoten

„Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Verweildauer je gefallen war“, schreibt Sebastian Pertsch auf radioszene.de. „Scherzhaft sagen nicht wenige Radiokollegen nach jeder ma: Irgendwann gibt es mehr Hörer als Deutschland Einwohner hat.“ Und er setzt sich damit auseinander, wie die Daten gewonnen werden und was sie aussagen.

Für die aktuelle Radioquote wurden 68.584 CATI-Interviews (telefonische Befragungen) durchgeführt. „In Relation zu den 73,4 Mio Bundesbürgern, die als Basis dienen“ sei dies wenig, „schließlich spräche jeder einzelne Befragte für mehr als 1.000 Hörer.“ Sein Hinweis dazu: „Gerade mal 10 Befragte können über den Verlust eines Arbeitsplatzes im Sender oder über eine essenzielle Programmänderung entscheiden. Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen! Und selbst wenn es 50 Interviews sind, sie stehen für im Schnitt 50.000 Hörer.“

Und er weist auf weitere Probleme hin: „Nichtdeutschsprachige (Ausländer) fallen grundsätzlich aus der Stichprobe. Damit sind sowohl hier lebende und arbeitende Bürger als auch ausländische Touristen gemeint. Viele Millionen Menschen tauchen so in der Statistik nicht auf. Das Analysebild von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ebenfalls verzerrt, da viele gar keinen Festnetzanschluss besitzen, sondern nur ein Handy: Zweidrittel der 14-29-Jährigen nutzen ein Smartphone, 90 Prozent sind mobil per Handy, aber nur die Wenigsten bis zum 30. Lebensjahr mit einem (eigenen) Festnetzanschluss erreichbar. Sender mit dieser besonderen Zielgruppe haben das große Nachsehen. Zudem fällt ungeachtet dessen grundsätzlich etwa jeder 8. Haushalt in Deutschland raus, da dieser ausschließlich per Handy und nicht mehr per Festnetz erreichbar ist. Trotzdem findet die Befragung bislang nur per Festnetz statt; wegen der “regionalen Verortung” und den “soziodemografischen Angaben”, argumentiert die agma und verkommt damit zu einem Stand aus dem letzten Jahrtausend.“

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