Dokumentiert: Programmanspruch beim ZDF

Peter Frey führte in der Aussenansicht der Süddeutschen Zeitung im Oktober 2016 aus (online): „Mich treibt die Frage um, warum die Zivilgesellschaft, vor allem im Osten, oft so passiv und wehrlos wirkt und sie Straßen und Plätze den Lauten überlässt. Dabei müssen wir unsere eigene Rolle bedenken.“

Sabine Rennefanz hatte in der Berliner Zeitung im September 2016 gefordert, dass das „Ost-Bashing“ aufhören müsse (online): „Es gibt ja kein ostdeutsches Gen, das Ostdeutsche anfälliger für Rassismus macht. Nicht die Herkunft entscheidet über die Anfälligkeit für Rechtsextremismus, sondern Bildung, Alter, Einkommen und soziales Milieu. Im direkten Vergleich, so eine aktuelle Studie, sind bei zwei Menschen in Ost und West, die bis auf ihren Wohnort ähnliche Bedingungen haben, keine Unterschiede bei der Einstellung zu Fremden feststellbar. Die Bekämpfung von Rechtsextremismus ist wichtig, aber das wird nicht reichen, um die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden.“

Weiter führte Peter Frey aus: „Unser Programm bildet Vielfalt ab. Wir stellen uns gelegentlich bewusst gegen den Mainstream und bringen oppositionelle Standpunkte in die Debatte ein, “bürsten gegen den Strich”.  … Vielleicht bewegen sich die Medien auch zu abgehoben in einem allzu westlichen Mittelschichten-Milieu, mit zu wenig Antennen für Veränderungsstress in anderen Schichten. Da haben wir Anlass zu Selbstkritik.“

Doch aufgrund welcher Kriterien kann man entscheiden, wie man bewusst gegen den Mainstream ist und oppositionelle Standpunkte in die Debatte einbringt? Müsste das nicht immer geschehen? Ergibt sich dies nicht aus dem Programmauftrag des Senders?

Volker Lilienthal führte in einem Beitrag für die Zeitschrift der Bundeszentrale für politische Bildung (APuZ 9-10/2009, online) zur „Integration als Programmauftrag“ aus: „Die Zusammenfassung bzw. Verbreitung auch radikaler Kritik kann zur Integration in der Gesellschaft, zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, beitragen. Sie ist somit auch ein Bestandteil des gesellschaftlichen Auftrags der Medien und insbesondere des Programmauftrags der öffentlich-rechtlichen Sender. „Freiheit zur Kritik an gesellschaftlichen Missständen, in den 70er Jahren durchaus furchtlos und radikal vorgetragen in zahllosen Hörfunk- und Fernsehsendungen, gehörte dazu. Integration in diesem Sinne bedeutete: die „kleinen Leute“, die scheinbar Machtlosen für Mitwirkung an Staat und Gesellschaft zu gewinnen. Was natürlich nur möglich ist, wenn der mittels Beiträgen finanzierte Rundfunk sich glaubwürdig als das Medium aller präsentiert.“

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