Dokumentiert: Keine kommunizierenden Röhren beim WDR

Ein Programmdirektor kommuniziert nur über soundsoviele Zwischenhierarchen mit einem Redakteur oder einer Redakteurin. Und die sind heute zumeist Allrounder, sie sollen in allen Programmbereichen einsetzbar sein. Redakteure sind heute zwar – positiv gesehen – flexibel, aber damit auch austauschbare Figuren geworden. Ihre jeweilige Fachkompetenz gegenüber Vorgesetzten ist somit ausbaufähig. Früher gab es Historiker in der Geschichtsredaktion, heute gibt es nicht mal mehr eine Geschichtsredaktion. Heute gibt es im WDR-Fernsehbereich – und das wurde von Monika Wulf-Mathies mit am heftigsten kritisiert – keine Fachredaktionen mehr für bildende Kunst, Musik, Theater…

Ein Autor hat es inzwischen fast immer gleichzeitig mit zwei Redakteuren zu tun, der freie Mitarbeiter ist aufgrund dessen automatisch in einer Position der Schwäche. Alle Fragen werden so als Kompromisse ausgehandelt, wenn sie überhaupt verhandelt und nicht bestimmt werden. Der freie Autor hat kaum Chancen, sich durchzusetzen. Die Redaktionsleitung über den beiden Redakteuren ist dann die letzte Instanz. Sie nimmt jeden Beitrag noch einmal ab. Dies höhlt das seit 1980 bewährte Redakteursstatut des Senders aus, nimmt dem eigentlich fürs Programm Verantwortlichen die Kompetenz. Oft genug willkürlich entscheidet diese Leitung dann, Text, Musik, Schnitt, Grafik oder was auch immer zu ändern. Das wird dann nicht einmal mit dem Autor besprochen, das wird angeordnet. Der Filmemacher, der ja meist der wirkliche Experte zu dem entsprechenden Thema ist, wird nicht gefragt. Radikale, mutige, eigensinnige Filme, wie es gerade eine Veranstaltung der Dokumentarfilminitiative fordert, kommen so nicht zustande. Sie waren einst das Aushängeschild des WDR. Die Redakteurvertretung hat sich mit der Frage, ob es mit dem Statut übereinstimmt, dass sich ein Redaktionsleiter vorbehält, die redaktionelle Abnahme seines Mitarbeiters für nichtig zu erklären und den Beitrag verändern zu lassen, bisher nicht befasst, weil kein Redakteur, der davon betroffen ist, sich bisher an die Vertretung gewandt hat.

 

Sabine Rollberg, Medienkorrespondenz 21/2018, S. 16 f. (online)

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