Der Markt „verlangt“ nicht nach einer Einschränkung der Telemedienangebote der öffentlich-rechtlichen Sender

Vor dem Hintergrund der Behauptung insbesondere der Verleger hat Goldmedia 2017 untersucht, „ob öffentlichrechtliche Informationsangebote im Internet privatwirtschaftliche Angebote im Bereich Nachrichten und Information verdrängen.“ Die im Zusammenhang mit den Dreistufentests erstellten marktökonomischen Gutachten hatten diese Frage für alle Angebote verneint. Die aktuellen Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache:

  • Der Nutzungsanteil von Angeboten der Pressemedien liegt mit 53 Prozent um das Vierfache höher als die Nutzung öffentlich-rechtlicher Angebote mit 12 Prozent.
  • Die größte Konkurrenz für Pressemedien bilden im Internet die Angebote von Anbietern ohne Rundfunkbezug, wie etwa News-Angebote von E-Mail-Anbietern, die 28 Prozent Marktanteil haben. Private Radio und Fernsehanbieter liegen bei 8 Prozent. (Wenn man also private Medienanbieter fördern wollte, müsste man ARD, ZDF und Deutschlandradio die Bild- und Tonangebote im Netz beschränken.)
  • Text ist außerdem die bevorzugte Nutzungsform von Onlinenachrichten und wird auch für öffentlich-rechtliche Angebote gewünscht. Text ist außerdem die bevorzugte Nutzungsform von Onlinenachrichten und wird auch für öffentlich-rechtliche Angebote gewünscht. So liegt die Nutzung (sehr häufig, eher häufig) von Textangeboten bei 89 Prozent, die für Video bei 24 Prozent und für Audio bei 13 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen: Die Marktsituation von Onlinenachrichten und -informationen liefert keine Belege für eine quantitativ bedenkliche oder gar dominierende Marktbedeutung von ARD und ZDF. Eine große Mehrheit wünscht eher mehr Text als weniger.

 

Da Suchmaschinen vor allem textorientiert arbeiten, werden die öffentlich-rechtlichen Angebote in Zukunft schwieriger zu finden sein. Mit den neuen Regelungen wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk also in seiner Breitenwirkung beschnitten. Die einmal erstellten Inhalte werden somit schwieriger zu finden sein und von weniger Menschen gefunden werden. Das damit frei werdende Marktvolumen wird jedoch den Verlegerinnen und Verleger keine wesentlichen zusätzlichen Einnahmen bringen.

 

Klaus Goldhammer, Eduard Scholl: Nachrichtennutzung online. In: Media Perspektiven, 10/2017, S. 486 folgende (online)

 

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